Shiraz und der Garten des Hafiz



Du, vor dem die keusche Knospe sich errötend neigt,

Und die trunkene Narzisse Scham und Staunen zeigt!

Kann mit dir doch selbst die Rose sich vergleichen nicht,

Denn sie borget von dem Monde, er von dir das Licht.

(Hafis)

 

Es zog uns weiter, wenngleich wir noch gerne in Isfahan geblieben wären, die Ruhe und den orientalischen Baustil genießend. Wir hatten aber auch die Befürchtung, irgendwann wieder einen unnützen Teppich zu erwerben, denn unsere Freunde näherten sich uns mit unglaublichem Charme und hatten nur das Eine im Kopf – aber wir wollten keinen Teppich, auch wenn uns dieser in vier europäischen Sprachen angeboten wurde. 3 Tage wollten wir uns Zeit nehmen, nach Shiraz zu kommen, und über Yazd, die Wüstenstadt mit ihren in den Himmel strebenden Minaretts fahren und dort auch Station machen. In Yazd schlenderten wir durch die Gassen und standen plötzlich und unerwartet im Innenhof der Moschee. Man schaute uns verwundert, selten ablehnend an und schließlich kam ein Kameramann des Persischen Fernsehens auf uns zu. In bestem Englisch und sehr höflich, gar freundlich freute er sich über unser Interesse an dieser bedeutenden Moschee, aber heute wäre Freitag, da wäre es besser wenn wir als Christen den Innenhof verlassen würden. Erst da bemerkten wir, wo wir uns befanden, hatten den hinteren Zugang auch eher zufällig gefunden. Wir entschuldigten uns und verließen freundlich grüßend den Ort. Ich denke, wir hatten inzwischen verstanden, uns in dieser Kultur zu bewegen und sie zu respektieren.

 

Vielleicht ist es jetzt einmal an der Zeit zu berichten, wovon wir gelebt, was wir gegessen hatten. An das Frühstück erinnere ich mich nicht mehr. Mittags gab es meist shish kebab, klebrigen Reis mit etwas Butter und dazu ein oder zwei Spießchen mit gegrilltem Fleisch. Meine Mitreisenden schauten immer aufmerksam, wieviel die anderen dafür bezahlen würden, mehr wollten sie auch nicht dafür hergeben. Und immer war es 1 Toman, ich glaube 10 Pfennig, mehr, weshalb dann ein wüstes Handeln losging. Das war mir immer peinlich.

 

Apfelsinen haben wir sehr viel gegessen, sie waren billig, frisch und absolut sauber, löschten gut den Durst.

 

Shiraz. Den Besuch der Ruinenstadt von Persepolis überschlage ich. Einige Fotos sollen an diese Stätte vergangener Pracht erinnern, die Schah Reza Pahlevi zur 2.000-Jahr-Feier des persischen Kaiserreichs und seinem persönlichen Ruhm als Ruinenlandschaft wieder aufbauen ließ. Wir schlenderten in Shiraz durch die Stadt, die eigentlich keinen besonderen Eindruck vermittelte. Ein amerikanischer Straßenkreuzer mit offenem Cabriolet hielt neben uns. 3 junge Männer saßen drin, luden uns ein, sie wollten uns die Stadt zeigen. Das war was – und schon saßen wir hinten drin, Platz gab es genug. Stundenlang kurvten wir durch die Straßen, winkten anderen zu und die drei erzählten, dass sie Starfighter-Piloten seien und morgen wieder in die Kaserne müssten, heute machten sie sich erstmal einen schönen Tag. Wir fanden das in Ordnung. Und als wir alles gesehen hatten, kaum noch etwas übrig blieb, fuhren sie mit uns zum Garten des Hafis, einem kleinen Hain im griechischen Stil mit den typischen Säulen und der gleichfalls typischen gärtnerischen Anlage. Natürlich hatte ich noch nie von ihm gehört – es war ja nur Goethe, der sich von ihm hat inspirieren lassen, der „west-östliche Diwan“. Erst zu Hause, bei der Nachbereitung und den Erklärungsversuchen für all die vielen Dias wurde mir klar, in wessen Garten ich gewesen war.

 

Die Perser verehren Hafis – zu Recht. Und sein Garten, sein Denkmal, ist ein Juwel mitten im Herzen von Shiraz. Er lebte im 14. Jh. unserer westlichen Zeitrechnung. Seine Lyrik bezaubert auch heute noch.

 

Der Tag ging dann aber etwas anders zu Ende als gedacht. Irgendwann wollten uns unsere Freunde loswerden und leisteten sich einen üblen Scherz, auf den wir sehr naiv hereingefallen sind. Sie wollten uns ihre Kaserne zeigen und wir sollten schon einmal reingehen, sie kämen gleich nach, würden nur noch eben den Wagen wegbringen wollen. Wir gingen in die Kaserne – und wurden prompt festgehalten. Englisch verstand niemand und da wir eigentlich schnurstracks wieder raus wollten, sperrten uns die Soldaten einfach ein. Es dauerte, bis ein Offizier kam, der Englisch soweit verstand, dass ich ihm, die Lage erklären konnte. Das tat ich ungewöhnlich lautstark und energisch aus dem instinktiven Gefühl heraus, dass jede weitere Stunde dort in der Kaserne die Situation nicht vereinfachen würde. Was hatte man nicht alles über den persischen Machtapparat gehört, und wo waren wir eigentlich wirklich gelandet? Zwischendurch forderte ich immer wieder jemanden von der Botschaft. Ob das überzeugend oder lächerlich wirkte, weiß ich nicht. Wir wurden schließlich von zwei Soldaten zu unserem Hotel gebracht. Die Hotelbesitzer wurden wohl sehr stark ermahnt, besser auf uns aufzupassen, möglicherweise hatten sie es versäumt, uns zu melden. Auf jeden Fall waren sie jetzt immer sehr daran interessiert zu wissen, wohin wir gehen würden. Das Essen, es war recht abwechslungsreich, brachte man uns auf das Zimmer. Irgendetwas war anders geworden, aber schwer zu sagen was.

 

So ein wenig lastete dieser Zwischenfall die ganze Zeit über uns, während wir in Shiraz waren und so richtig Spaß hatte ich an der Stadt nicht, weniger als an Isfahan oder Yazd. Aber jetzt lag der Persische Golf als nächste Etappe zum Greifen nahe vor uns!

Yazd und auf dem Weg dorthin

Shiraz

Impressionen aus Persepolis

"Zeltlager" der Staatsgäste

Teilweise rekonstruierte Ruinen