Masuren 2015


Polen - Masuren

 

Eine knappe Woche und 2.800 km Rundreise mit einem modernen Reisebus, d. h. zweien, denn wir waren rd. 100 Teilnehmer der ver.di-Seniorengruppe Emsland. Übernachtung in Poznan (Posen) und dann drei Nächte in Mikolajki (1 h östl. von Olsztyn), dort Rund- und Besichtigungsfahrten, anschließend über Gdansk  (Danzig) und Szczecin (Stettin) zurück.

 

Das war Polen, das waren die Masuren, das waren lange Zeiten im Reisebus und interessante Bekanntschaften  dort. Die Begegnung mit Polen fand über das Essen statt (sehr gut und reichhaltig) und über die Fremdenführer – aber natürlich auch über den visuellen Eindruck des Durchreisenden: Nach zwei Stunden Fahrt durch die Johannisburger Heide weiß man, wie ein Wald aussieht, aber die Größe der zusammenhängenden Fläche wird man vom Bus aus nicht verstehen können, auch die Heideflächen nicht würdigen wollen, da es nicht die Blütezeit ist. Und die vielen großen wie kleinen Seen sind von den Bäumen verdeckt, finden nur Erwähnung. Störche, ja, unglaublich viele. Aber hört man Einheimische, dann waren es früher sehr viel mehr. Sie sind zunehmend verschwunden.

 

Und das liegt nicht am Sozialismus oder sonst irgendwelchen Vermutungen aus der jüngeren Geschichte, sondern der zunehmenden Verwestlichung mit all den negativen Einflüssen auf die natürliche Umgebung. Nicht dass die Hypermarches französischer Prägung ursächlich sind, nicht dass die unendlich vielen Werbeschilder als Ursache dafür genannt werden können. Auch der zunehmende Tourismus kann für sich allein nicht die Ursache sein, die riesigen Bettenburgen nahe der großen Seen. Nein, alles zusammen und auch die gelegentlich bemerkbare Industrialisierung verändern die Masuren zu einem westeuropäisch geprägten Ferienland – und dort findet man ja auch kaum Störche vor. Störche, sie sollen als Synonym für ein intaktes Ökosystem stehen, das die Masuren ausgemacht hat. Man wird sich bald auf den Weg machen müssen, es (noch) zu erleben. Aber schon heute wird man sich gut von Lidl, Rossman & Co. in seiner Ferienwohnung versorgen lassen können. Aber kann man es den Polen verdenken, auch diesen Weg der Modernisierung zu gehen? Masuren ist nicht mehr das Land von Ernst Wiechert, wie er es beschreibt und 1936 zuletzt gesehen hat. Der Dichter selber aber ist Teil der Entwicklung des Landes und wird als polnischer Heimatdichter sehr verehrt - hat dort aber nur seine Jugend verbracht 01010und von dem nachhaltigen Eindruck der Wälder auf seine Entwicklung geschrieben und gesprochen. 

 

Das war eine wichtige Erfahrung, die ich mitgenommen habe. Das heutige Polen steht selbstbewusst zu seiner Geschichte. Und dass Ostpreußen in früheren Zeiten Teil des deutschen Reiches war, gehört dazu. Die seinerzeit geschaffenen Werte werden durchaus Deutschen zugeschrieben – aber heute ist das alles aufgrund der historischen Entwicklung Polen zuzuordnen. Ich empfinde das als einen durchaus positiven nachbarschaftlichen Ansatz, auf dem sich eine nachhaltige Freundschaft entwickeln lässt. Es gäbe viel über Deutschland zu klagen – ich habe aber kleine Klagen gehört, zumindest nicht in Masuren, dass wir kurz bereist haben.

 

Gesehen habe ich die Städte Torun (Thorn), Olsztyn (Allenstein). Gdansk (Danzig) und Szczecin (Stettin), erlebt habe ich eine Masurische Bauernhochzeit und den Besuch bei Christel Dikti,  beeindruckt haben mich der Besuch der Alten Försterei (Ernst Wiechert), der Wallfahrtskirche "Heilige Linde" (Barocke Orgel  mit einem wahnsinnigen Klang und sich bewegenden Figuren) und der Wolfsschanze (Ruinen der Bunkeranlagen). Und ich habe mich auf der Krutynia wohlgefühlt, als wir in den Kähnen über das seichte Wasser glitten. Man braucht sehr viel mehr Zeit für Masuren - aber was gibt es (noch) neues zu entdecken?