Christen unter uns - Bethlehem 2015

Machtkampf
Machtkampf

In diesem Jahr hatte ich eine Serie von Fotomontagen zum Thema "Glaube-Kirche - Hoffnung" erstellt. Dem nebenstehenden Bild im Format 60 x 60 cm hatte ich den Titel "Machtkampf" gegeben. Man  muss es vergrößern,  will man die tiefgreifenden Strukturen besser erkennen. Und: Die Fratze des Bösen steckt tief im Glauben, wie sonst sollte es - per definitionem - Gutes geben? Und so brauchen die beiden christlichen "Schwesterparteien" natürlich auch "das Böse" - um selber als die Guten dazustehen. Erst war es die CSU, jetzt beginnt auch die CDU, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, einer Bewegung, die im Fremden das Böse sieht.

 

Und fremd sind, da  braucht es keine lange Überlegung, alle Menschen islamischen Glaubens. Was kümmert es die beiden christl. Parteien,  wenn selbst die beiden christlichen Kirchen zu einem menschlichen Umgang mit den Hilfe suchenden Flüchtlingen aufrufen? Nein, man stellt sich in die Reihe von US-Republikanischen Präsidentschaftsbewerberkandidaten und übernimmt deren Gedankengut: Abschreckung um jeden Preis, mögen sie doch heulen und wimmern, mögen sie erfrieren, ertrinken oder ersticken. Das wird sich herumsprechen und ein klares Signal setzen, meint ein CDU-Präsidiumsmitglied. Es geht den Parteien darum, ihre Unterstützer nicht an den dumpf-rechten Rand der Gesellschaft zu verlieren. Menschenleben und die Zukunft von Kindern spielen da keine Rolle.

 

Hier könnte sich die Große Koalition beweisen, Zeichen setzen. Die Kanzlerin versucht sicher ihr bestes, allein deshalb muss man sie aber nicht wählen. Sie wird derzeit von ihren Leuten demontiert, den christl. Politikern, die nicht auf die christlichen Kirchen hören. Das verändert das Land, darauf müssen wir gefasst sein.

 

Dieses politische Klima hier wird unseren Einfluss in Europa schmälern. Und das ist gewollt.     

THE HUFFINGTON POST   21. November 2015

 

Bislang waren die rhetorischen Scharfmacher in der Union vor allem in der CSU zuhause. Das ist vorbei. CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hat Heftiges von sich gegeben.

 

Deutschland müsse „Bereitschaft zur Härte“ zeigen und „unschöne Bilder“ ertragen – die von schreienden Kindern und Frauen bei Abschiebungen etwa, polterte am Donnerstag CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn. Für den Staatssekretär im Bundesfinanzministerum ist klar: „Nur so wird die ehrliche Botschaft auf dem Balkan und in der Welt ankommen, dass nicht jeder in Deutschland und Europa bleiben kann.“

 

Es war ein klares Signal in Richtung der Christsozialen. Nicht zufällig gewählt: Denn an diesem Freitagabend spricht Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel beim Parteitag der Schwesterpartei in München.

 

Doch es war die Antwort des dritten Koalitionspartners, die nicht lange auf sich warten ließ. Bei der SPD ist man erzürnt über Spans Äußerungen. Dieser wolle „zur Abschreckung weinende Frauen und schreiende Kinder bei Abschiebungen sehen, twitterte SPD-Vize Ralf Stegner noch gestern Abend.

 

Und auch andere SPD-Politiker sind pikiert über Spahns Forderung und vor allem seine Wortwahl. Das Klima in der großen Koalition könnte schon bald rauer werden, meint ein Sozialdemokrat.



Bethlehem ist das Sinnbild unseres christlichen Glaubens. Jesus wurde als Kind verfolgter Eltern in einem Stall geboren, weil niemand Maria eine andere Herberge geben wollte, trotz deutlich erkennbarer Schwangerschaft. Jedoch nicht einmal eine solche Herberge bieten wir den Flüchtlingen 2000 Jahre später an. Wir fürchten um unsere Werte, welche eigentlich? Wir fürchten uns, weil Millionen Menschen kommen, unter denen einige böse Absichten haben - als wenn die nicht auch anders kommen würden, so sie wollten.


Die Menschen kommen, weil ihre Heimat zerstört wurde. Die Frage nach der Ursache der Zerstörung sollte uns bei der Hilfe nicht leiten und mglw. entzweien. Und doch müssen wir erkennen, dass das Unheil in der westlichen Welt geboren wurde und der aus der Flasche entwichene böse Geist nicht mehr zurückkehren will. Unsere Humanität ist gefragt.  

Ohne Gruß verließ Angela Merkel den Parteitag der CSU durch einen Seiteneingang. Zuvor hatte sie sich stehend die konträre Rede des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer anhören müssen. So sind die.


Und das wird Folgen haben.



Wenn jetzt, nach dem Terror von Paris, zum Krieg gegen den IS aufgerufen wird, so ist das an sich schon schlimm, denn Terror kann militärisch kaum besiegt werden. dafür gibt es Beispiele. Es ist aber nicht mit unseren Werten zu vereinbaren, dies auf dem Rücken der Flüchtlinge zu tun, die vor eben diesem Terror fliehen. Zudem gibt es keinen Sinn.


Es wäre wünschenswert - auch im Interesse der Flüchtlinge - wenn Europa eine politische Lösung findet.


Die Republikaner in den USA machen deutlich, dass sie an Menschlichkeit keinerlei Interesse haben, selbst ihr sehr bescheidenes Aufnahmeprogramm für Syrer zurücknehmen wollen. Und dann:

  • Religionstests an der Grenze
  • gigantischer Mauerbau im Süden
  • Vergleich mit tollwütigen Hunden

Sie vergessen, das George W. Bush, ihr letzter Präsident, das alles wesentlich mit verursacht, die Regionen des Nahen und Mittleren Ostens destabilisiert hat, des Öls wegen, nicht der Demokratie.

Bush hatte einen Angriffskrieg geführt.


CDU/CSU und damit auch Angela Merkel werden eine andere Flüchtlingspolitik verfolgen. Damit ist die Große Koalition mit dem Ziel einer europäischen Lösung gescheitert.


Die SPD wird sich dieser Wende nicht anschließen können - zumindest nicht ohne Selbstaufgabe. Das muss und wird Konsequenzen für die Regierung haben. 


Inwieweit das die Parteienlandschaft verändert, wird man spätestens nach den nächsten (Neu-)Wahlen sehen. 



Bethlehem 2015: was sind unsere zu schützenden Werte?


Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hedi (Samstag, 21 November 2015 13:46)

    Das ist eine gute Frage: Was sind unsere zu schützenden Werte?
    Es sind genau die, die von gewissenlosen Menschen - wie oben beschrieben - verraten werden.
    Und sie werden von einer sich nach oben schraubenden Spirale von Widerwärtigkeiten verraten.
    Was glaubt man, damit zu erreichen?
    Die Flüchtlinge werden weiterhin kommen, weil das, was sie hier ertragen müssen, ein Nichts ist im Vergleich zu dem, dem sie in ihrer Heimat ausgesetzt sind.
    Den Rechtsradikalismus bei uns in Schach halten?
    Nein, ganz im Gegenteil. Dieser menschenverachtende Mob wird sich nur noch bestärkt fühlen.

    Haben denn unsere Politiker immer noch nicht gemerkt, dass ihre parteipolitischen Taktiken genau in die Richtung führen, in die kein denkender und auch nur ansatzweise menschlich fühlender Bundesbürger gedrängt werden will?
    Ich kann mich nicht erinnern, jemals so fassungslos wütend gewesen zu sein.