Wissen, das wichtig ist, wird oder werden könnte

Eigentlich hatte ich gedacht durchaus auf dem Wissenstand zu sein, den man so braucht, um die digitale Welt zu verstehen und gelegentlich mitreden zu können. Vielleicht sogar auch einmal Wortführer zu sein.

 

Da ereilte mich die nebenstehende Statistik und ich spürte, dass 2/3 eines Jahrhunderts nicht ganz spurlos an einem vorbei gegangen sind. Die Zeit hat Wissen aufgebaut, aber auch eine diffuse  Gewissheit, dass es irgendwann reichen würde, das letzte Drittel des Jahrhunderts auch noch zu verstehen - soweit man es in Anspruch nehmen wird, ein Wollen sei hier und heute nicht in Frage gestellt!

 

Nun fangen ja bekanntlich alle großen Irrtümer der Weltgeschichte mit der Phrase an: "Ich dachte, . . . ". So auch hier. 


Seit etwa 1990 - das Jahr habe ich jetzt gesetzt - hat der PC Einzug in unsere Welt gefunden. Sicherlich bereits gefühlt früher, aber beginnen wir mal mit Windows als Betriebssystem.  Mein erster PC hatte einen 10 MB-Speicher (Festplatte! - der Arbeitsspeicher wird vielleicht bei 500 Kb gelegen haben, aber das entzieht sich meiner Erinnerung ). Ich hatte ihn gebraucht für 1.100 DM gekauft (heute rd. 600 €), weil sein Vorbesitzer nach einem Jahr umstieg auf einen PC mit einer Festplatte von enormen 20  MB. So war die Welt damals, als es noch keine Handys  gab und die gute alte Telefonzelle für die mobile Kommunikation sorgte. Wurde ich Anfang der 90er gefragt, ob man es denn noch lernen müsse, mit dem PC umzugehen, bejahte ich es und erntete Kopfschütteln.    


Jetzt, da seit einigen Jahren aus dem Berufsleben ausgeschieden, bin ich froh, den Weg damals mitgegangen zu sein. Ohne Internet, ohne E-Mail und seit geraumer Zeit ohne WhatsApp bzw. Telegramm (ja, ich kann jetzt auch Smartphone)? Zum Glück nicht. So verfüge ich privat über zwei Desktop-PC, einen (großen) Laptop und einen kleinen (10 "-Bildschirm), sowie das Smartphone und einen E-Book-Reader (der allerdings den Durchbruch bei mir noch nicht geschafft hat). 


Und dann diese Grafik: Cloud, das vermag ich noch zu erklären, von intelligenten Stromzählern hatte ich schon mal gehört. Beruflich war ich natürlich dem E-Goverment sehr nahe - aber das war's denn schon mal, wenn ich ganz ehrlich bin und wenig Lust verspüre verschleiernd herum zu labern. Elektronische Gesundheitsdienste würde ich sicher mit E-Health zusammen schmeißen und Big Data werden große Datenmengen sein - oder?


Aber, und jetzt gehe ich mal wieder 20 Jahre zurück, ich will die digitale Welt nicht missen, möchte mich darin bewegen können. Aber, ist es das allein seelig machende Wissen darum? Und muss man jede Entwicklungsvariante mitmachen, jedes -tempo einhalten wollen? Oder geht es auch um den Mut zur Lücke, um Platz im eigenen Leben zu haben, für Dinge, die vielleicht wichtiger sind, real funktionieren und nicht wie ein Tamagotchie bedient werden wollen. 


Nein, ich muss das alles da nicht wissen, so wenig, wie ich mir die Funktionsweise meines Dieselmotors (nicht VW!) überlegen muss, wenn ich an der Ampel bei Grün Gas gebe - ich muss allein die Farben der Signalanlage verstehen und richtig ein ordnen können. Beim Motor können sie mich betrügen, in der digitalen Welt auch - da nützen weder alles Fachwissen, noch die Virenscanner und Firewalls nichts. Ich sehe nur das, was ich zurückbekomme, nicht, was ich gebe. Was nützt es erklären zu können, was ein Smart Meter ist, oder Shared Economy, ich schaue bei Google nach, da erklärt mir das einer, oder bei Wikipedia. Penibel recherchiertes Lexikonwissen ist ohnehin abgeschafft, Wissen ist heute dank Internet breiter aufgebaut, unverbindlicher, wie einige meinen. Ok. 


Die Alternative

Natürlich gibt es keine wirkliche Alternative zur digitalen Welt, die dann eine umfassende Option für etwas Befreites anbietet.

 

Die Kommunikation ersetzt das Gespräch, steht für Emails, PNs, WhatsApp & Co. Briefe werden zum Luxusartikel, die Urlaubskarten zunehmend durch MMS pp. ersetzt. Aber:

  • wenn ich dir die Hand gebe, kann ich dir ins Gesicht sehen,
  • wenn ich dir am Tisch zuhöre, weiß ich, dass ich das Neueste aus deinem Leben nicht aus der U-Bahn höre, sondern von dir aus deinem traurigen oder auch fröhlichen Gesicht.
  • Und ich kann deine Hand ergreifen, dich zu trösten, wenn es mir notwendig zu sein scheint.   

 

Lasst uns ein Wissen aufbauen, das uns Begegnungen ermöglicht. Lasst uns erklären, was Glück bedeutet, was Vertrauen ist, wie man Zuversicht verbreitet, wie wir mit Trost umgehen wollen. Wir können auch nach Nachbarschaft fragen - was verstehen die Menschen darunter?


Wir sollten herausfinden, wer alles Hoffnung und Verzweiflung kennt, ihre Bedeutungen und ihren Unterschied.


Das andere sind heute Kulturtechniken, man beherrscht sie oder nicht. 


Unsere Welt ist menschlich, nicht digital.  


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