Mein Respekt: einfach machen!

Einfach etwas machen,  weil man meint, es muss jemand tun, weil es sonst niemand tut. Das ist Deutschland heute - und die Medien berichten. Und wenn es die nicht tun, dann gibt es soziale Netzwerke, die solches übernehmen.

 

Da ist der Redakteur eines lokalen Radiosenders. Er kommt an der örtlichen Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) vorbei und sieht eine lange Schlange dort in der Sonne wartender Flüchtlinge. Spontan beschließt er wenigstens etwas zu helfen. Er schnappt sich zu Hause mit seiner Tochter alle Kühltaschen, fährt zu einem Discounter und besorgt Eis, das er dann an die Wartenden verteilt. Kinder sind keine mehr da, aber auch die Großen freuen sich bei 30 °C ... 31 Likes in 24 h bei FB sind das eine, die gute Erfahrung, dass einem geholfen wird das andere!

 

Zwei 8-jährige backen Muffins und verkaufen diese auf dem Markt, ergänzen den Ertrag mit ihrem Taschengeld auf 60 € und kaufen Kleidung für geflüchtete Kinder, die in Dortmund-Wickede untergekommen sind. "Die sollen es gut haben und wir wollen doch, dass sie überleben. Kleidung ist wichtiger als Spielzeug, das wir zunächst überlegt haben."  . . . sagen die beiden achtjährigen. Das macht Hoffnung!

 

In Heidenau wurde ein Willkommensfest abgesagt,  weil es mit polizeilichen Kräften nicht zu schützen sei (Polizei-Notstand). Ein 25-jähriger Bonner Jurastudent hat Einspruch beim Verwaltungsgericht eingelegt - und Recht bekommen. Der Landrat ging in die nächste Instanz, der Student hatte gerade 10 Minuten Zeit darauf zu reagieren und bekam auch vor dem OVG Recht - sowie eine Rechnung von 1.000 €. Das Fest lief schon, da legte er auch vor dem Bundesverfassungsgericht Beschwerde ein, gewann und kann jetzt auch die 1.000 € sparen. Die hätte zwar dem Juso sein Parteivorsitzender ausgelegt, aber... Von der Süddeutschen Zeitung gefragt,  warum er das mache, entgegnete er cool, "wenn ich es nicht tue, macht es kein anderer." Und warum er noch ein Faxgerät hatte, erzeugte nur noch ein Achselzucken - es war eben da.    

 

Im sächsischen Landtag dagegen versucht der Ministerpräsident (Tillich, CDU) Verständnis für die vielen Flüchtlinge zu bekommen - und erntet heftigen Widerspruch vom CDU-Fraktionsvorsitzenden, in den sich die AfD (Frau Petry) gekonnt einklinkt.  

Jetzt ist die Zeit des persönlichen Engagements, wann denn sonst? Der Staat versagt. Zwar ergreift jetzt auch die Kanzlerin das Wort für Flüchtlinge, getrieben aber von dem Koalitionspartner und Sigmar Gabriel. Und wer hat den getrieben?


Es ist letztlich egal, wer wen treibt, denn Getriebene besitzen mit ihren Argumenten wenig Nachhaltigkeit. Wir müssen uns hingezogen fühlen zu jenen, die unsere Hilfe brauchen. Manchen mag das schwer fallen, es ist aber eine große Chance für eine wirkliche Erneuerung unseres Landes, es ist Wendezeit.


Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hedi (Dienstag, 01 September 2015 17:20)

    Die Stimmung kippt - und zwar zugunsten der Flüchtlinge, zur Zeit mindestens. Da kann der CDU-Fraktionsvorsitzende des sächsischen Landtages noch so sehr die "besorgten Bürger" bemühen und hoffen, der AfD oder doch eher der NPD (ich sehe da kaum noch Unterschied) ein paar Wählerstimmen zu entreißen.
    Warum nur wird die ungeheure Chance nicht gesehen?
    Ich habe jahrelang in Südchile gelebt. Eine blühende Landschaft, aufgebaut von Flüchtlingen aus Deutschland, die man damals, also etwa 1850, noch "Auswanderer" nannte. Politisch Verfolgte nach dem Zusammenbruch der Demokratie-Hoffnungen von 1848; durch die industrielle Revolution Verarmte, deren Arbeitsplätze gestrichen wurden (Wirtschaftsflüchtlinge!!) und z. B. auch ledige Mütter, die Schande der Familie, die nach Südamerika verfrachtet wurden - die gesellschaftlich Diskriminierten.
    All diese Flüchtlinge haben das Land kultiviert. Ihr Vorteil war allerdings, dass es dort weder einen sächsischen CDU-Fraktionsvorsitzenden gab noch eine Frauke Petry noch Hardcore-Rechstextremisten.
    Nun, ich verliere die Hoffnung nicht, dass all die neuen Einwanderer nicht nur akzeptiert werden, sondern dass begriffen wird, wieviel sie zu einer Erneuerung Deutschlands beitragen können.
    Und ich hätte da noch einen Vorschlag für das "Unwort des Jahres": "Besorgte Bürger".