1 Mio. Flüchtlinge das sind 1 Mio. Köpfe und 2 Mio. Augen

Über Ströme von Flüchtlingen zu reden, verwendet eine Sprache, von dem Individuum abzulenken. Wir lesen von 71 Toten in einem LKW und erfahren von 3 fast dehydrierten Kindern in einem anderen. Sie konnten gerade noch gerettet werden. Wir kennen deren Zahl, soweit aufgefunden,  aber nicht ihre Namen. Keine Angehörigen, die einen Nachruf schreiben. Wir lesen nur ihre genaue Zahl - und das auch nur, weil sie immer näher kommen.

 

Im Mittelmeer sind bereits tausende ertrunken und lesen, dass 400 in einem Boot gekentert und ertrunken sind. Oder waren es mehr - weniger? 400 ist die Nachrichtenzahl, ob einer mehr oder weniger vergeblich um sein Leben gekämpft hat interessiert auch die wohlmeinenden nicht. Sprache und Verständnis.

 

Sie diskutieren Quoten, den Flüchtlingen eine neue Heimat zu geben in den Ländern Europas - sie diskutieren keine Standards der Unterbringung, der Begrüßung. Aber sie machen sich Sorgen über die Sicherheit ihrer Grenzen, weil die Wanderwege durch Tunnel führen,  die auch ihrer eigenen Versorgung dienen. Aber ihre Zäune werden eingerissen. Von Menschen, die kommen werden, weil sie fliehen müssen.

 

Sie haben es gewusst, oder es wissen können, aber nichts vorbereitet. Sie haben an Flüchtlingsströme gedacht, kleinere, aber die Menschen darin nicht gesehen, deren Schicksale und flehenden Augen nicht, ihre Köpfe nicht und knurrenden Mägen. Und dabei haben sich die verstümmelten und getöteten gar nicht erst auf den Weg machen können.

 

1 Mio. Schicksale jedes Jahr, alle auf der Flucht. Sie haben sich auf den Weg gemacht, jedes im Wege einer Einzelentscheidung, Familien wahrscheinlich gemeinsam. Manche Familienmitglieder sind in Angst zurückgeblieben, weil das Geld fehlte. Da wollen wir doch nicht behaupten es besser zu wissen und ihnen den Weg weisen, um die Flüchtlingsströme zu lenken, unsere Komfortzone zu erhalten!  Eine globale Wohlfühloase, der wir eine historisch gewachsene Kultur zurechnen, die es zu erhalten gibt - während in den finsteren Ecken des Landes der Pöbel mobbt. Da werden wir doch als rechtschaffene Bürger  dieses Landes endlich aufhören, eine Antwort immer mit  "Ja, aber . . . " zu beginnen.  


Oder wollen wir unsere Freiheitswerte uns selber gegenüber auch immer nur mit einem "Ja, aber . . . " angewandt wissen? Das gehört jetzt nicht zum  heutigen Thema, zeigt aber meine (gezähmte) Wut. Es geht darum, mit der verschleiernden Sprache aufzuräumen, klare Gedankengänge einzurichten - da darf man auch mal Mensch sein und wütend werden.     

Ich habe als Kommunal-Statistiker 1986 eine Bevölkerungsprognose erarbeitet. Erschreckend niedrig fiel die Zahl der Einwohner meiner Großstadt für das Jahr 2030 aus - zugegeben, es war eher ein Szenario über solch einen Zeitraum. Aber würde man die  rd. 3.000 Einwohner abziehen, die man Jahr für Jahr in der Bilanz mit dem Ausland gewonnen hat, bzw. gewinnt, so käme das der Realität sehr nahe.


Aber, und auch das hatten wir gesagt, eine Großstadt wird immer Platz haben und Menschen anziehen.

Und Deutschland ist über allem - analog gesehen -  eine solche Großstadt


Und weiter:

Der Druck aus der Welt wird zunehmen und sich in die Industrieländer entladen. Heute distanziere ich mich von meiner damaligen Sprache - aber die Analyse war im Grundsatz richtig. Nur dass Menschen kommen werden, das hatte der Statistiker nicht gesehen.


Der Mensch heute ist einsichtig geworden und erkennt das! 

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Was alles wann versäumt wurde
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