Der Punkt "of no return"

Es gibt im Leben immer jene Punkte, hinter die es kein "zurück" gibt - hat man sie einmal erreicht. Punkte mit Konsequenzen, überschreitet man sie. In der Wirtschaftssprache nennt man diese "Point of no Return" und sie beschreiben meist den Scheitelpunkt einer Kurve, die uns volks- oder betriebswirtschaftliche Zusammenhänge in einer Entwicklung erläutern.     


Wenn wir heute einen Zustrom von Flüchtlingen zu verzeichnen haben, dann hatten wir uns darauf vorbereiten können. Jetzt sind sie da - und wir stellen fest, es sind mehr als gedacht. Wer hat denn da gedacht?


Und wir stellen fest, dass viele Kinder dabei sind, Männer und Frauen, Alte wie Junge.  Sie werden es kalt haben, gelingt es nicht, ihnen warme Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Sie werden einer ungewissen Zukunft entgegensehen, gelingt es nicht, die Kinder hier von ihren traumatischen Erlebnissen zu befreien. Wir werden ein anderes Land werden - so oder so.


Der Wegfall der Mauer hat unser Land etwas verändert. Wir haben es als eine nationale Großtat feiern können, unser jahrzehntelanges politisches Sehnen nach Freiheit aller Deutscher befriedigen können, bis zum Exzess. Aber DIE schaffen wir auch noch.  


Jetzt kommen andere, aus Syrien, dem Irak. Afghanistan, Afrika, dem Balkan und anderswo her. Wo sollten sie sonst bleiben, als in einem der reichsten Länder der Erde, wo es seit 70 Jahren keinen Krieg mehr gegeben hat? Sie zu empfangen, mit ihnen unsere Heimat zu teilen, da sie ihre für lange Zeit verloren haben, verschafft uns als Gesellschaft die Möglichkeit einer menschlichen Großtat, einer humanitären Leistung, die den nationalen Stolz wiederherstellen kann, so das wichtig sein wird in einem Europa der Zukunft. Unser Land wird sich verändern.


Reichen wir jetzt nicht unsere Hände jenen, die unsere Hilfe erflehen oder auch nur leidgeprüft, fast schon seelisch stumpf geworden, erbitten, wird auch das unser Land verändern. Wir werden alle unsere Werte aufgeben, für die es sich gelohnt hatte zu streiten. Freiheit, dann durch uns so interpretiert, wird zu einer verantwortungslosen Worthülse, die auf uns zurückfällt.      

Und ich sitze in meinem Ferienhaus, meiner Komfortzone, und weiss, dass die Zeiten sich ändern werden.

 

Es gibt keinen Weg zurück. Wir müssen den Weg nach vorne gemeinsam gestalten - denn wohin sollte ich noch gehen wollen,  wenn dieses Land nicht mehr meines ist, Freiheit und Solidarität so gänzlich anders interpretiert wird?


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